Das Sinfoniekonzert des Universitätsorchesters

Universitätsorchester Bielefeld

Künstlerischer Leiter: Dr. Michael Hoyer

  1. Februar 2016

 

 

Mehr als ein Sinfoniekonzert

Universitätsorchester Bielefeld lädt Flüchtlinge zu klassischer Musik ein

 

Erstmals in seiner über 40jährigen Geschichte präsentierte das Universitätsorchester Bielefeld unter Leitung von Michael Hoyer sein Semesterschlusskonzert am vergangenen Sonntag in der Rudolf-Oetker-Halle. Doch die Erschließung einer neuen Bühne war nicht die einzige Besonderheit an diesem Abend.

 

Schon mehr als eine Stunde vor Konzertbeginn strömten die ersten Gruppen in den kleinen Saal. Während sich das Universitätsorchester noch auf der großen Bühne für seinen Konzertabend aufwärmte, sammelten sich im kleinen Saal der Rudolf-Oetker-Halle Flüchtlinge aus ganz Bielefeld voller Vorfreude auf das bevorstehende klassische Konzert. Gezielt hatte Projektleiterin Lara Venghaus Werbung in den Flüchtlingsunterkünften gemacht – auch in arabischer Sprache: „Es war nicht leicht, Plakate auf deutsch und Arabisch zu gestalten, aber durch die Hilfe eines Studenten der Bielefelder Uni hat es am Ende doch noch geklappt!“ Womit die Projektleiterin jedoch nicht gerechnet hatte, war das große Interesse, auf welches die Initiative stieß. „Binnen kurzer Zeit hatten wir schon 100 Anmeldungen, heute Abend sind mehr als 150 Geflüchtete anwesend.“ Das Orchester organisierte den Transfer von den Unterkünften zur Oetkerhalle und zurück und tauschte sich mit der Initiative „Geflüchtete Willkommen in Bielefeld“ aus. Nur die Begrüßung, die Lara Venghaus in gewohnt charmanter Art zu Beginn des Konzertes hielt, erfolgte ausschließlich in deutscher Sprache. Die Projektleiterin, die gleich danach im Orchester am Pult der 2. Oboe Platz nahm, entschuldigte sich dafür und gab zu, sie traue es sich nicht zu, es auf arabisch zu probieren. Dafür gab es aber ein dreisprachiges Programmheft für die ausländischen Besucher, in dem nicht nur die nötigsten Informationen, sondern auch Texte über die Werke und den kulturgeschichtlichen Hintergrund dieser Art von Konzertveranstaltung zusammengetragen waren.

 

Das Universitätsorchester versteht sich als Bildungseinrichtung und steht, anders als andere Laienorchester in der Region, die sich in erster Linie dem musikalischen Ergebnis im Konzert verpflichtet sehen, Interessenten jedes Leistungsstandes offen. In ihm kommen Studierende, Beschäftigte der Universität, aber auch Schüler, Auszubildende, Berufstätige und Rentner aus ganz OWL zusammen. „Natürlich ist es befriedigend und erfreulich, wenn unsere Konzerte auf einem hohen Niveau stattfinden können. Aber unsere Aufgabe sehen wir in der Vermittlung von Kultur, von Kenntnissen, die zur Weiterentwicklung dienen – dem Einzelnen Mitwirkendem, dem Zuhörer, aber auch der Gesellschaft.“, erläutert die noch junge Lara Venghaus das Ziel ihrer Orchesterarbeit. Gemäß dieser Zielsetzung war die Einladung von Flüchtlingen zu diesem Event nur der Anfang einer Initiative, die das Orchester plant. „Wir möchten Flüchtlinge dazu ermuntern, selbst Teil unseres Orchesters zu werden und werden in den kommenden Wochen ein eigenes Projekt dazu vorstellen“, deutet Orchesterleiter Michael Hoyer an.

 

Die Anwesenden waren jedenfalls bereits vom Konzerterlebnis begeistert. Viele kamen im Jacket, nahmen statt im eigens für sie reservierten Bereich verstreut im Saal Platz und mischten sich so kaum von den übrigen Konzertbesuchern zu unterscheiden unter das Publikum. Ein gravierender Unterschied wurde dennoch spürbar: er bestand in der Reaktion auf das Gehörte. Während die regelmäßigen Konzertbesucher sich zunächst gemessen an die ungeschriebenen Konventionen eines klassischen Konzertes hielten, ließen die zumeist jungen Männer ihrer Begeisterung freien Lauf und beklatschten frenetisch bereits den ersten Satz der unvollendeten Sinfonie Franz Schuberts. Versuchte Hoyer an dieser Stelle zunächst noch, mit einem Schmunzeln die Beifallsbekundungen aufzuhalten, ließ er ihnen im Brahms Klavierkonzert freien Lauf. Und ein Orchestermitglied berichtet strahlend: „Es ist wunderbar, vor einer solchen Kulisse zu spielen und auf diese Weise ein direktes Feedback zu erhalten. Diese Musik ist fantastisch, und ich freue mich sehr, wenn wir dies vermitteln konnten.“

Hier ein paar Impressionen (Klick auf ein Bild öffnet die Galerie):

 

 

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